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Details Schnapsbrennerei Kölblhof

Sorten:

  • Zirbe (gebrannt und als Likör)
  • Kasteler (Mischung aus Birne und Zwetschke)
  • Meisterwurz (Zillertaler Kulturgut)
  • Enzian
  • Obstler
  • Speckbirne
  • Williams-Chirstbirne
  • Golden Delicious
  • Melisse
  • Pflaume (Zwetschke)
  • Vogelbeere
  • Himbeerlikör

Öffnungszeiten:
Montag bis Samstag von 7:00 bis 18:00 Uhr am Hof und außerhalb nach telefonischer Vereinbarung.

Zillertaler Schnaps bestellen:
Ein E-Mail inklusive Bestellwunsch und Versandadresse genügt und der Schnaps vom Kölblhof landet bei euch zu Hause. Bestellmengen: 12, 6 und 3 Flaschen. Bezahlt wird mit beigelegtem Zahlschein.

Kontakt:
Familie Josef & Priska Kreidl, www.koelblhof.at 

Schnaps-Tipp:
Gönnt euch in der Ersten Ferienregion im Zillertal eine Mountainbiketour auf eine der vielen Almhütten, oder wandert gemütlich hinauf. Eine kleine Verkostung im Anschluss gewähren euch die Kreidls, wenn ihr sie ganz liebt fragt und ein paar Flaschen kauft. Leicht beschwingt könnt ihr in der Erlebnistherme wieder einen klaren Kopf bekommen; so schön ist das Leben.
 

Schnapsbrennerei im Zillertal

Bauern brennen Schnaps

Josef Kreidl rennt mir mit ausgestreckter Hand freudig entgegen – hintennach seine Frau: „Ich habe dich schon gegoogelt“, gesteht Priska. „Ich euch auch!“, antworte ich grinsend. Wir setzen uns in den Verkostungsraum des Kölblhofes, eine alte Bauernstube, in der über 20 Glasballons mit doppeltgebranntem Schnaps ruhen. Ihr Anwesen ist ein Erbhof seit 1830, das Brennrecht geht auf das Jahr 1770 zurück und damit bis in die Zeit von Kaiserin Maria Theresia.

Nur, was uns das Zillertal bietet

„Mir ist Authentizität sehr wichtig!“, erklärt Bauer Kreidl und stellt gleichmal drei Schnaps-Gläser auf den Tisch. „Wir verwenden nur Obst aus dem Zillertal, weitere Rohstoffe kaufen wir nicht zu.“ Damit fällt das Sortiment zwar kleiner aus, ist aber um nichts schlechter. „Das Gute, das Nahe und das Vertraute aus der Region wird von Einheimischen und Gästen gleichermaßen geschätzt“, erklärt er besonnen. Priska nickt und schenkt wortlos drei Schnäpse ein. Ich tauche meine Nase in jedes Glas: Zirbe. Birne. Beim dritten bin ich mir nicht sicher. „Kasteler“, lacht sie. Das ist eine Mischung aus Birne und Zwetschke, die Kasteler genannt wird, weil der Schnaps von den Bäurinnen einst in einer Truhe (Kasten, Kastl) gelagert wurde.

Die wunderbaren Destillate, die ich verkoste, fallen alle angenehm mild aus. Sie riechen, wie sie schmecken. Der typische Duft der jeweiligen Obstsorte liegt treffsicher im Glas. Jeder Schnaps wird doppelt gebrannt, Zucker wird keiner zugesetzt, vor mir stehen feinste Edelbrände – so viel zum hohen Qualitätsverständnis am Kölblhof.

Meisterwurz und Zirbenzapfen

Sehr beliebt, und daher über die grenzen das Zillertals hinaus bekannt, ist Schnaps aus der Meisterwurz. Auch der Zirbenschnaps ist gefragt, der in einer destillierten, etwas herberen Variante angeboten wird, und als Ansatzschnaps sowie Frauenverführer süß ausfällt. Die Meisterwurz (Peucedanum ostruthium) gilt als die Königin aller Heilwurzeln und ist typisch fürs Zillertal. „Jedes Jahr ernten wir die Knollen auf den Wiesen zwischen 1.500 bis 2.000 Höhenmetern selbst“, seufzt Josef. „Bei uns im Tal gedeiht die Wurz wegen des Urgesteins sehr gut, Kalkböden mag die Pflanze nicht.“ Sie gehört zur Familie der Doldenblütler, erreicht eine Wuchshöhe von 30 bis 100 Zentimetern, liebt schattige und feuchte Plätze. Priska schenkt erneut ein. Wieder stecke ich meine Nase genussvoll ins Glas, atme ein und aus, nehme einen Schluck, warte ein paar Sekunden und erfreue mich am intensiven Abgang. Bitter schmeckt der Meisterwurz-Schnaps und verströmt Aromen von Karotten, Ananas und Sellerie. Zwar wird er nicht alle Gaumen erfreuen, dafür hat er zu viele Ecken und Kanten, aber kosten müsst ihr ihn allemal.

Schnaps. Bauern. Biker aus Leidenschaft

Josef bringt mich an den Tatort, an dem die Maische des edlen Obstes in klaren Schnaps verwandelt wird. „Der Brennkessel ist alt, sehr alt und wird wie damals mit Holz beheizt“, schwärmt er mit leuchtenden Augen. Auch ohne automatisierte Kolonnenbrennerei entstehen also hochwertige Destillate. Wir gehen weiter durch den Stall, in dem sich Ferkel verstecken, glückliche Kühe Heu fressen und ein paar Schafe aufgeregt blöken. Ich kann es nicht lassen, die Schweinchen hinterm Ohr zu kraulen. Wieder draußen vor der Stalltür zeigt der Hausherr auf einen Balkon: „Dort oben sind unsere Zimmer.“ Schnaps und Viehwirtschaft sind also nicht ihr Hauptgeschäft.

Bauern brennen Schnaps, damit sie Geld verdienen – dachte ich zumindest. Josef und Priska brennen, weil es ihnen Spaß macht. Die Wachstums- oder Tod-Ideologie von noch höher, schneller und weiter ist am Kölblhof unbemerkt vorbeigerauscht: Ihre Zimmer vermieten sie über ein Reisebüro. „Das bringt zwar weniger Geld, macht aber dafür kaum Arbeit“, sind die Kreidls zufrieden und gehen auch den Schnapsverkauf ruhiger an: Ihr Verkaufsraum wäre für Verkostungen jedes Wochenende ausgebucht, wenn sie nur wollten, aber: „Darauf sind wir nicht angewiesen. Außerdem lieben wir unsere Freizeit, in der wie gerne Mountainbiken gehen.“ Fahrradwege und schöne Almhütten gibt es im Zillertal schließlich unendlich viele – fast zu wenig für das Ehepaar: Sie sind schon mal in 8 Tagen von Fügen nach Rom geradelt.

Ich dachte zuerst, die Zwei wären schrullig, dabei sind sie geerdete und leidenschaftliche Landwirte. Sie folgen ihrem Herzen, tun, was sie erfüllt und der Erfolg gibt ihnen Recht: In ihrer kleinen Abfindungsbrennerei entsteht feines Zeug. Bitte weiter so!

Erstellt von Vil Joda
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