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Einradln

Zur Bikesaison in Fügen antreten

Während sich die einen an verlängerten Wochenenden am Gardasee einradeln (= einfahren, trainieren), bleibe ich dem Zillertal treu: Mit der richtigen Tourenvorbereitung werden die 1.200 Kilometer Rad- und Bikerouten zur Spielwiese, oder besser gesagt zur Bikewiese.

Biken im Zillertal (Chillertal)

Das Zillertal macht sich als aktivstes Tal der Welt alle Ehre mit 1.200 km ausgezeichneten Mountainbike- und Fahrrad-Routen; zur Bikesaison in Fügen antreten ist damit eine fast logische Folge mit vielen Vorteilen: Als Anfänger könnt ihr am Zillertal-Radweg gemütlich auf- und abfahren. Um Fügen und Kaltenbach warten urige und moderne Almhütten wie auf einer Perlschnur aufgereiht auf hungrige Biker. Auf den Bike-Trails im gesamten Tal dürft ihr dem Abfahrtsrausch frönen, Mountainbiker-Augen sehe ich gerade leuchten. Für Flachlandtiroler könnte die Höhenluft allerdings ein wenig dünn werden: Manche Routen führen nämlich bis auf 2.400 m hinauf – das Bier fährt dort oben fast besser als jedes Bike. Gemütlich ist´s im Chillertal außerdem, denn es muss nicht immer hin und zurück am Drahtesel sein: Die Zillertalbahn schnauft bei leeren Akkus samt Bikes mit euch retour. Apropos Akkus, ganz Gemütliche gönnen sich per E-Bike ordentlich Rückenwind auf Bergetappen; Verleih- und Ladestationen gibt’s genügend, leere Akkus sind also nie ein Thema.

Bei diesem orchestrierten Bike-Paket darf die Saison ruhig in Fügen und Kaltenbach starten. Nun aber zu meinen Vorstellungen der idealen Tourenvorbereitung.

Planen ist die halbe Tour
Ich bin beim Planen gerne pragmatisch: Sobald ich ein Ziel habe, radle ich los – meistens ist es eine Almhütte. Einheimischen reichen die Höhenmeter einer Tour als Angabe, um sich ein wenig darauf einzustellen. Biken gehört nämlich in Tirol und damit im Zillertal zu einer eingefahrenen Lebensweise. Wenn jedoch das Bike-Fieber grassiert, starten auch Anfänger längere Touren und diese wollen sorgsam geplant sein, damit es keine Überraschungen gibt.

Fleisch statt Nudeln
Früher hieß es noch, man solle vor einer Tour lukullisch Nudeln essen: Kohlenhydrate gäben Kraft und Ausdauer; ein Mythos, der sich selbst bei erfahrenen Sportlern hält. Mittlerweile wissen nicht nur Vertreter der Paleo Nutrition (= Steinzeiternährung), dass Eiweiß und Fett am Vortag die Grundlage für Ausdauer und Regeneration bilden. Wer nämlich kohlenhydratarm isst, kurbelt den Fettstoffwechsel an, der viel effizienter läuft als der Kohlenhydratstoffwechsel: Letzterer benötigt Nachschub und zu viel davon kostet wiederum Energie für die Verdauung, ein Teufelskreis. Fette brennen wesentlich länger und sind praktisch unbeschränkt im Körper vorhanden.

Ich gönne mir am Vortag einer Bike-Tour eine T-Bone-Steak, einen Fisch aus heimischen Gewässern oder Eier mit einer überdimensionalen Gemüsebeilage und Olivenöl. In der Früh schlürfe ich nur mehr ein nacktes Tässchen Espresso und los geht’s für 4-6 Stunden ohne Mahlzeit.

Rumpfkraft stärken
Bei den ersten Touren spüren viele noch ihren Rücken. Manchmal ist es die falsche Sitzposition, meistens aber zu wenig Rumpfkraft: Der Rumpf besteht aus Becken, Bauch, unterem Rücken, Brustkorb und Schultergürtel. Nur wer diesen Kern (engl. Core) trainiert, kann das Kraftpotenzial seiner Gliedmaßen richtig entfalten. Der Aufwand fürs Rumpfkrafttraining ist mit 2-3 Mal 20 Minuten pro Woche gering. Meine liebsten Übungen sind Liegestütze, verkehrte Liegestütze, Pedalieren im Seitstütz, Situps und der Superman. Ein 12-Minuten-Workout findet ihr hier, 6 Top-Übungen gibt’s hier.

Carbon statt Kondition
Den Run auf Carbon habe ich hinter mir und fahre jetzt ein geschmeidiges Alu-Fully. Dennoch, auf langen Touren machen ein paar Kilo weniger Rad-Gewicht viel aus. Körpergewicht sparen ginge auch, aber das funktioniert nicht immer nach Plan. Lieber reduzieren viele am Bike, in dem sie in Technik investieren. Das größte Tuning-Potenzial besitzen Laufräder; weniger Gewicht bei bewegter (rotierender) Masse führt zu ungeahnter Beschleunigung. Gespart werden kann außerdem am Sattel, Vorbau, Schaltwerk und besonders am Rahmen: Ein Hardtail aus Carbon fängt bei ca. 7 Kilo an und endet bei ca. 12 Kilo aus Alu. 5 (!) Kilo mehr machen sich bei 2.000 Höhenmetern oder 100 Kilometern schwer bemerkbar – auch was den Preis betrifft: Für ein High-End-Hardtail aus Carbon mit 7 Kilo löhnt ihr bis zu 10.000,- Euro, Einstiegsmodelle fangen bei 1.500,- Euro an.

Vor dem Einradeln ist während dem Einradeln
Auch wenn ihr nur ein paar Tage zum Einradeln nach Fügen oder Kaltenbach kommt, lange und auspowernde Touren kurz davor bringen nichts. Ein bisschen Einrollen in der Ebene ist jedoch sinnvoll. Am Tag vor den ersten Bike-Runden im Urlaub solltet ihr jedoch nichts tun, außer euer Rad zu servicieren. Einradeln heißt nämlich Einradeln, weil es in der Tat auch Einradeln ist – und das geht am besten so: Lieber lange und gemütlich, als kurz und schnell; so verbessert ihr eure Grundlagenausdauer, bekommt weniger Muskelkater und regeneriert schneller.

Wasser, euer Treibstoff (mit Zusätzen)
Trinken ist wichtig. Auf langen Touren bleibt ihr dadurch länger fit. Wer dehydriert, riskiert Kopfschmerzen, Krämpfe und Leistungsabfall. Nehmt also stündlich eine Flasche (1/2 Liter) Wasser zu euch, ein wenig Magnesium hilft euren Muskeln. Ein weiteres sinnvolles Aditiv ist „Maltodextrin 6“, langkettige Glukose, die nicht wie Traubenzucker (Glucose) Insulin- und Leistungsschwankungen verursacht. Ich vermische Maltodextrin 6 mit Magnesium und habe davon stets ein Döschen für Notfälle dabei. 1-3 Esslöffel pro Flasche reichen. Die Tagesdosis Magnesium beträgt 300 mg, kann aber bei Spitzenleistungen bis zu 1.000 mg ausmachen. Magnesiumoxid wird vom Körper schlecht aufgenommen, Magnesiumcitrat oder Magnesiumbisglycinat haben die bessere Bioverfügbarkeit.

Mit mentalen Kniffen heiter weiter
Denkt nicht daran, wie wenige Kilometer ihr erst geschafft habt, sondern wie viele ihr schon heruntergespult habt. So geht ihr positiv an die Tour heran. Teilt euch die Strecke außerdem in Etappenziele ein, dadurch habt ihr immer wieder kleine Erfolge. Studiert das Höhenprofil und spart euch böse Überraschungen, am besten ihr befestigt es am Lenker und habt so die Hölle am Weg zum Himmel vor Augen. Freut euch über einen gemeisterten Anstieg und gönnt euch danach eine Pause. So schraubt ihr euch Stück für Stück weiter bis ans Ziel. Profibiker arbeiten bei Rennen mit denselben Kniffen.

Ziele sind die Almhütten
Die philosophische Abhandlung vom Weg oder irgendwelchen Koordinaten als Ziel erspare ich uns jetzt und überlasse diese jedem selbst. Schafft ihr es mal nicht bis ans Ende, interessiert das niemanden – umgekehrt auch nicht. Ihr genießt so oder so die Dreifaltigkeit eines Bikers: das Rad, die Natur und das eigene Ich. Mehr bräuchte es nicht, wären da nicht die Almhütten, verführerische Perlen der Zillertaler Alpen. Sie locken mit Sünden, die zur Unschuld werden, weil ihr ordentlich Höhenmeter in den Beinen habt: Zillertaler Graukäse und Krapfen, Speck, Groigen, Speckknödel, Kaspressknödel und andere Versuchungen. Das Maß aller Dinge im Halbliterglas ist jedoch ein kühles frisches Zillertaler Bier. Doch als Sportler muss ich es erwähnen: Alkohol tut der Regeneration nicht gut. Was solls? Schon wären wir bei der nächsten wichtigen Frage der Bike-Philosophie angelangt: Gilt Bier als Alkohol? Nicht im Urlaub! Der Gerstensaft ist eine geistreiche Variation des Wassers, die direkt aus der Brauerei Zillertal an heißen Tagen für einen kühlen Kopf sorgt. Gesundheitsapostel, zeigt euch bitte gnädig! Während des Urlaubs im Chillertal gehört ein Bierchen nach einer Bike-Tour einfach dazu. Für andere gibt’s wenigsten Radler oder reinstes Bergquellwasser aus dem Alm-Brunnen.

Viel Spaß bei euren ersten Bike-Touren im Zillertal! Vielleicht kreuzen sich unsere Wege mal? Falls ihr mich erkennt, würde ich mich auf einen kleinen Plausch freuen – oder eben ein Bier.

Biken in Fügen und Kaltenbach

Der Plan: Mit der interaktiven Radkarte zum Downloaden und Ausdrucken könnt ihr eure Bike-Tour gut planen.

Die Wege: 1.200 Kilometer ausgezeichnete Rad- und Bikerouten im Zillertal

Mein Touren-Tipp: Mountainbike-Tour aufs Kellerjoch (Rundtour über Hochfügen im Zillertal), 2.010 Hm, 55 km, höchster Punkt: 1.690 m, Fahrzeit: 5 h, Enkehr: Hotel Frieden, Alpengasthof Hubertus, Hotel Grafenast, Alpengasthof Loas, Bio-Hotel Grafenast

E-Bikes für Gemütliche: In die Berg geht’s mit Rückenwind per E-Bike. Verleih- und Ladestationen findet ihr im ganzen Tal, leere Akkus sind hier kein Thema.

Mountainbike Schule Tirol: Fachgeschäft für Rennräder und Mountainbikes sowie geführte Touren.

Top Event Zillertal Bike Challenge:Das Mountainbike-Rennen im Zillertal in Tirol, vom 29.06. bis 01.07.2018, 3 Kategorien, 1 Ziel: Ankunft am Hintertuxer Gletscher. Jetzt anmelden!

Bike-Verleih:

  • Sporthaus & Radcenter Unterlercher (Fügen)
    Mountainbikes, Trekkingräder, Kinderräder, E-Mountainbikes und E-Trekkingbikes,
    Hauptstraße 27, 6263 Fügen, Tel. +43 5288 6767 700, www.sport-unterlercher.at
  • Bahnhöfe der Zillertalbahn (Fügen, Zell, Mayrhofen)
    Citybikes und Kinderräder www.zillertalbahn.at
    Das Fahrrad kann an jedem der angegebenen Bahnhöfe zurückgegeben werden.
  • Sport Stock (Kaltenbach)
    Mountainbikes, Trekkingräder, Kinderräder, E-Mountainbikes und E-Trekkingbikes
    Postfeldstraße 7, 6272 Kaltenbach, Tel. +43 5283 20161, www.sportstock.at
  • Bike Vital (Kaltenbach)
    Verleih von E-Mountainbikes, Schmiedau 2, 6272 Kaltenbach, Tel. +43 699 106 48 331 www.bikevital24.com
Erstellt von Vil Joda
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