Entschleunigung Entspannung Abschalten
Was die Erste Ferienregion im Zillertal mit Entschleunigung zu tun hat

Meine innere Uhr tickt wie sie will.

Von Terminen gebeutelt, hechle ich aus dem Büro. Irgendwas muss sich ändern! Einfach raus, schreit die Werbung. Da bin ich nun, draußen. Im Zillertal. Dort wo das Tal am Anfang breit die Berge aufbaut. Entschleunigung steht im Kalender, aber sofort!

Freunde posten gerade die To-Do-List für mein Runterkommen. Buche einen Paragleiter-Tandem-Flug! Hey, was glauben Sie eigentlich, wie ich Runterkommen meine? Check mal den Online-Kurs „Stressbewältigung“. Mach Yoga im Wald! Ich lese die Nachrichten, während ich radle. Das geht locker, denn das Fahrrad fährt mit freundlicher Akku-Unterstützung die Fügener Dorf-Straße entlang. Die Straße steigt an, der Akku surrt, das Handy stecke ich jetzt weg. 

Trotzdem drückt der Marathon der letzten Tage noch ins Genick. Erwartungen haben uns im Würgegriff, doch wer zimmert sie zurecht? Die Gesellschaft, unsere Familie, unser eigener Perfektionismus? Zwischen den Steinmauern der Straßenkehren lugen winzige Walderdbeeren heraus. Aber besser nicht aus dem Sattel steigen. Erst schwitzen, danach genießen! Es geht jetzt in die Wadeln, steil windet sich die Straße hinauf und in ein lang gestrecktes Seitental, nach Hochfügen. 

Weil nun mal Entschleunigung angesagt ist, peile ich nicht einen Gipfel an. Davon gäbe es hier viele und imposante: den „gstandenen“ Gilfert am Talschluss, davor die beiden Gamsstein-Gipfel, den Kuhmesser, das Kreuzjoch, das Metzenjoch; allesamt zwischen 2.200 und 2500 Metern Seehöhe. Nein, auf halber Höhe gäbe es ein idyllisches Plätzchen, sagt die Vermieterin. Die Winterstube! 
 

Gerade hat mein E-Bike auf der Hochfügenerstraße 1200 Meter Höhe erklettert. Jetzt ist die Aussicht richtig fesselnd: der Talboden verschwindet, Bauernhöfe kleben an den steilen Hängen. Die Heuarbeiten sind wohl mit Maschinen zu schaffen, aber waghalsig und in winzigen Parzellen. Reife Äpfel kullern weit bergab. Beim Hof dort drüben hat sich eine Ziege irgendwie aus dem Gehege gestohlen und stackelt auf der Gästeterrasse herum. 

Stets der Nase nach taleinwärts, lautet meine Tourbeschreibung, und beim Wegweiser „Fügen 20“ scharf links ab. Auf der gegenüberliegenden Seite des Hochtals wieder talauswärts. Es klappt auch ohne Google-Maps wunderbar. Der Finsingbach schneidet das Hochfügener Tal in der Mitte durch. Mit dem Rauschen des Wassers rollt das Radl durch die Wälder - in einem sonnenhellen baumfreien Areal liegt mein Ziel.
„Winterstuhl“ heißt die Hütte (sie gehört der Agrargemeinschaft), liebevoll im urigen Bauernstil gerichtet, ein Hirschgeweih grüßt vom Obergeschoß, die Brennessel stehen mannshoch unter der verzierten Außenstiege. Am klobigen Tisch im Garten ruhen wohl viele Biker. Auf der einen Seite plätschert Quellwasser in den Brunnentrog, auf der anderen brummt laut das Gletscherwasser aus dem Finsingbach herauf. Es ist herrlich. Eine Stunde oder waren es zwei – lange bin ich einfach nur gehockt, ums Winterstuhl-Hüttl spaziert und hab Blaubeeren gekostet. An diesem Platz ist alles gut.
 

Die Rückfahrt – das Hinunterradeln nach Fügen auf gutem Schotterweg – und die folgenden Urlaubstage waren schön und leicht. Denn der Winterstuhl hat den Schalter umgelegt.  
Gut möglich, dass Freunde ein anderes Erlebnis brauchen, um wieder im „analogen“ Jetzt zu landen, um offen für Gerüche, den Klang der Natur und für Müßiggang zu sein: Sie können sich am Rennrad vom Alpbachtal aus auf den Kerschbaumersattel quälen und die Abfahrt ins vordere Zillertal wie im Rausch erleben; sie können so urige Almschenken wie die Jausenstation Schellenberg aufsuchen, dort Zillertal Bier trinken. Gelegenheiten für Innehalten gibt es tausende. Manche tragen übrigens Glocken: wie die kesse braun gefleckte Kalbin, die seelenruhig mitten im Weg verweilte. Sie war satt und hatte rein gar nichts auf ihrer To-Do-Liste.

Grundregeln für Entschleunigung mit erwünschten Nebenwirkungen:

1.         2 Wochen Urlaub in der Ersten Ferienregion im Zillertal sind gut.

2.         Nicht sofort in ein „Burn-in“ Programm à la Online-Coach fallen, sondern 2 Tage Zeit nehmen fürs Ankommen. Urlaub mit Freiraum ausstatten, mit Gastgebern ins Plauschen kommen.

3.         Handy und Laptop zeitweise weglegen, freiwillig. Nicht die ganze Zeit über, denn das wäre Zwang.

4.         Kontakte zu Kollegen und zur Restfamilie lockern, Nachrichten nur sporadisch verfolgen: Aus dem herkömmlichen Infoturbo ein wenig lösen.

5.         Glücksmomente verstecken sich im Unscheinbaren, Glücksmomente kann nicht immer der Partner produzieren, Glück in kleinen Dosen verschafft ein gutes Gefühl. Kraftplätze besuchen und verweilen, Fasten oder Wasserkur.

6.         Anker für später setzen: Erinnerung zum Mitnehmen bringen ein Meisterwurz beim Schützenfest, eine Buttermilch auf der Alm kredenzt. Ob Sennereibesichtigung, Thermenbesuch oder Weitwanderung: Szene, Duft und Klang sind abrufbar.

7.         Ideale Reiseziele für gestresste Menschen liegen in gemäßigten Klimazonen - die den Körper nicht plagen. Sie sind sicher und planbar. Harmonie spielt eine große Rolle: harmonische Natur, behagliche Unterkünfte gibt es in der Ersten Ferienregion im Zillertal zu genüge!

8.         Burn-in bzw. Burn-out Prophylaxe ist von Typ zu Typ verschieden. Deswegen einiges ausprobieren. Aktiv aussteigen – bei Sport und Anregungen die gewohnte Bahn verlassen: z.B. Canyoning. Die Dreidimensionalität der Berge hilft. Tandem-Paragleiten, Klettern mit einem Guide, Natur-Erfahrungs-Seminare, Beschäftigung mit Tieren. Bewegung ohne Superlative und ohne „Vermessung“ des eigenen Körpers.

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