NAVIGATIONNAVIGATION

Suchen & Buchen

Hochfügen

Vier Almen Marsch

Eine gemütliche und knieschonende Wanderung durch die weitläufigen Almen in Hochfügen. Ich spaziere über Wiesen und durch schattige Waldstücke, stapfe durch Bäche – und staune: Das ist ein harmonischer Mix aus uralter Almkultur und einem grünen Teppich, den der moderne Skitourismus im Sommer auf seinen Pisten ausrollt.

Skiresort in der Sommersonne
Hochfügen ist ein Skiresort, das liegt auf der Hand: Ein weitläufiger Parkplatz; eine Raupe Nimmersatt, die sich im Winter als Kinder-Förderband entpuppt; ein blauer Pilz, unter dessen Dach zur kalten Zeit die Skisessel wippen; rundum Hotels. Jetzt stehe ich da, mit Wanderschuhen, Rucksack und meinem Hund Jamie. Wo ist der Weg aus der Hotelsiedlung im Sommerschlaf hinaus in die Natur? „Vier-Almen-Marsch 23“ mit rotem Punkt, diesem Wegweiser folge ich.
Dort wo die Raupe Nimmersatt in einer breiten sattgrünen Wiese wartet, zieht sich ein Schotterweg hinauf. Eine Liftanlage wartet auf den Winter, links stehen lange Stahlrohre Spalier – für technischen Schnee. Wir wandern also auf Pistenareal. Schön ist es und ruhig. 

Kuli-muh wo bist du
Fels-Findlinge auf denen junge Bäume wurzeln, viele Rinnen mit Quellen, ein paar Dotterblumen, Fichtenwald. Typische Almflora überzieht die Hänge in Hochfügen - historisch korrekt gesagt, im Finsing-Grund.
Seit Jahrhunderten verbringen die Zillertaler Kühe hier die Sommerfrische. Schau, da sind die ersten:  fünf Kalbinnen haben es sich im hohen Gras gemütlich gemacht, gleich neben dem Weg. Mein Hund zieht an der Leine – er macht einen möglichst weiten Bogen um die Kühe. Jamie hat heillosen Respekt vor den braun gefleckten Riesen. Ziemlich fadisiert wenden die jugendlichen Rinder ihr Haupt ab. Bald kommt die erste Almsiedlung in Sicht.

Idyllische Lamark-Almen 
Tief geduckte Gebäude mit Terrassen, Stalleingang, Brennholz vor der Tür: Dies ist der Lamark-Niederleger. Die Häuser sind gerade so weit auseinander, dass man mit wenigen Schritten in Holzschuhen zum Nachbarn läuft, sich aber nicht eingeengt fühlt. Apropos Niederleger: oft gliedern sich die Almwiesen in einen Niederleger, eine tiefer liegende Bergweide, in der das erste frische Gras früh nach der Schneeschmelze Ende Mai sprießt. Den Hochleger, oft 300 Meter bergwärts, bezieht das Almteam mit Kühen und Pferden erst einen Monat später. Hier am Lamark-Niederleger grasen etwa fünfzig Kühe nah bei den Almgebäuden und füllen das Plateau mit einem bunten Glocken-Konzert. Hund Jamie versteckt sich hinter meinen Schuhen. „Schnell in den Wald“, denkt sie wohl. Direkt vor den Almen über die kleine Holzbrücke geht’s auf die Bäume zu. Wald- und Wurzelweg, danach fester Wiesengrund wie mit dem Zirkel geplant, dann wieder schattiger Mischwald. Drei Mal wechseln sich „Ur-Natur“ und ein schmales Pistenstück ab. Beide grün, beides Natur. Wenn das Miteinander von Alm- und Ski-Welt so unspektakulär ausfällt wie hier, wer kann sich daran stören? Der schmale Pfad mündet in einen Fahrweg und leitet zur zweiten Alm hinunter.

Wie aus dem Bilderbuch: Finsinggrund 
Mit dem Gang aus dem schattigen Wald zieht der Finsinggrund alle Aufmerksamkeit auf sich – und die Kamera aus der Tasche. Welche Idylle! Doch kurz davor spazieren wir durch den Pfundsalm-Niederleger, Almstation Nummer zwei. Elf Häuser stehen eng am Hang. Einzelne sind uralt, mit Dächern, denen man die schwere Schneelast des letzten Winters förmlich ansieht. Andere wurden ganz neu gebaut im Zillertaler Stil. Wenige Schritte sind es nur bis zum Becken des Finsing-Grundes: Der Finsing-Bach bewässert einen ebenen Boden. Das wahre Paradies für die Kühe! Quellwasser kräuselt sich im seichten Sandbett. Schilf, Kresse und Kräuter wachsen hier. Kühe, die urgemütlich widerkäuen. Das ist ein echter Point of Inspiration, ein Kraftplatz, ein Motiv für Landschaftsmaler.

Alm Nummer 3: Viertelalm-Niederleger
Vom Finsingbach führt der Wanderweg hinauf auf die Viertelalmen. Zwei große Viehställe, das kleine Oberhaus-Hüttl, drei Almgebäude. Auf der Terrasse der Oberhaus-Hütte sind ein Jäger und die Almerin im Plausch vertieft. Auf die Frage nach einem Getränk wirft sie etwas mürrisch herunter: „Mia schenken jetzt no nit aus“. Macht nichts, die Bäuerin nebenan bringt ein Häferl Almmilch. Und welche! Sahnig, süß, so ein Aroma! Im späten Frühling, da sei sie richtig fett, erzählt sie. Täglich melkt sie hier mit ihrem Mann 27 Kühe. Der Milchwagen bringt das weiße Gold ins Tal. Bio-zertifiziert ist ihre Landwirtschaft. Ob in der Sennerei diese köstliche Milch im selben Bottich wie „gewöhnliche“ Milch landet? Wir wissen es nicht. Seelenruhig lehnen wir an der warmen Holzwand der Hütte und schauen in die Ruhe: Das Gebimmel der Kuhglocken füllt als angenehme Musik das Talende.

Rundgang zur Holzalm
Der Vier-Almen-Marsch schwenkt wieder ins Zillertal hinaus. Flach geht’s über die Weiden auf einen Hochwald zu. Ein schneller Blick über die Schulter: Vom Finsinggrund klingen die Kuhglocken noch leise heraus. Am Talende glänzen die schmalen Schneefelder des Rastkogels. Dort ist nichts außer Einsamkeit. Dass diese Felsen im Winter Tummelplatz tausender Skifans sind, glaubt mir kein Mensch! Weiter geht es über die Wiesen zur Holzalm. Dort bringt sich auf 1600 Metern Seehöhe nochmals der Winter in Erinnerung, diesmal ganz nah. Denn hinter den Almgebäuden spannt sich das Liftseil der gleichnamigen Bergbahn in der Luft. Links, 250 Meter tiefer, liegt die Siedlung Hochfügen. 1 Kilometer lang ist der Weg dorthin, zuerst ein breiter Wirtschaftsweg, danach eine asphaltierte Straße. Die schönste Einkehr wartet auf diesem letzten Stück: Bei Martina Niederkofler im Aarwirt gibt’s jeweils von Donnerstag bis Sonntag leckere Kuchen. Beim Ausgangspunkt retour gönne ich mir im Hotel Almhof einen Grammelknödel. Jamie schlürft dankbar aus der Wasserschüssel und döst unterm Tisch.

Zurück zu den Wurzeln
Der Vier-Almen-Marsch war ein kurzweiliger Rundgang mit Muse zum Sinnieren. Wenn es hier oben einen Almkobold gibt, dann atmet er im Sommer langsam und tief durch, im stillen Finsing-Grund. Hier lebt er wie eh und je. Hier gewinnt er Kraft und schenkt sie seinen Besuchern. Dass es im Winter an der gleichen Stelle richtig rundgeht, Fun, Technik und Übermut inklusive, das stört ihn wenig. Denn im Frühsommer rinnen mit dem Schnee die Eile und das Gewusel aus dem Tal hinaus. Danach ist’s wieder, wie es immer war. 

Facts:
Vier-Almen-Marsch zu Lamarkalm-Niederleger, Pfundsalm-Niederleger, Viertelalmen und Holzalm-Niederleger. 
7,4 km, 300 Höhenmeter, höchster Punkt 1730 m Seehöhe
Schwierigkeit mittel, für Familien geeignet, als roter Bergweg markiert
Start- und Endpunkt Parkplatz Hochfügen 

 



NachOben