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Seilrennen Hochfügen

SKI HEIL MAL DREI

Verrückt und einzigartig: Das Seilrennen Hochfügen wird zum spaßigen Tanz für Skifahrer im Dreier-Team.

Mit einem Klick löst Josef das Kletterseil aus den Karabinern der Hüftgurte von Peter und Christina. Die drei stehen im Zielgelände des Seilrennens Hochfügen, schwer atmend, aber mit einem Lachen. Es lief auch diesmal wie am Schnürchen.

Zum 6. Mal steht Josef am Start des Seilrennens. Das Rennen gibt es seit 55 Jahren. Es zählt zu den spaßigsten Herausforderungen auf Pisten. Drei Rennläufer bewältigen einen Torlauf per Seil aneinandergebunden: Läufer 1 und 2 tragen Hüftgurte, das Seil reicht bis zum Läufer 3, der es lose in der Hand hält und ohne Stöcke fährt.

Seilrennen Hochfügen Tracht
Seilrennen Hochfügen Seilschaft

Josef Schöpf ist ein begnadeter Skifahrer. Mit seinen Latten scheint er direkt verwachsen, in jedem Schnee. Kein Wunder, er hat zwanzig Jahre Trainer-Erfahrung. Normalerweise weicht der stämmige Kerl keinen Zentimeter von der Linie und schneidet messerscharf über Eisplatten. Doch dieses Seilrennen hier, im Hochfügener Zillertal, fordert mehr. Da hat er nämlich seine zwei Rennfreunde vor sich am Seil und muss hinten ausgleichen. „Der Beste fährt zuletzt“, nickt er mit breitem Grinsen. Stünden die vorderen „ganslpatschert“ (Zillertalerisch für tollpatschig) auf den Ski, dann wäre es am letzten Mann, die Sache zu retten. „Patschert“ kurvt allerdings keiner seiner beiden Teamkollegen durchs Rennen. Peter Lechner sitzt im Monoski, fährt aber trotz Handicap tausenden Skisportlern um die Ohren, der Mayrhofner nimmt an Monoski-Meisterschaften teil. Christina Schöpf trainiert selbst seit Jahren Skiclub-Kids. Peter fährt voran, Christine in der Mitte, Josef zum Schluss. Sie starten in der Kategorie „Flotte 3er“. Der Veranstalter Bergbahnen Hochfügen ist stolz auf sein „hagelwildes“ Event und öffnet es für Rennfahrer, Flotte 3er und Kinder. Beim Bewerb „Flotte 3er“ zählt, wer der mittleren Zeit am nächsten kommt. Renntermin ist jedes Jahr Mitte April. Der Lauf startet auf 2290 Metern Seehöhe. Auf der 775 Meter-Strecke geben Tore den Kurs vor. Früher, weiß Josef, war das Rennen am FIS-Hang gesteckt. Da pfiffen die Läufer auf einem langen, schwierigen Steilhang ins Ziel. Jetzt sei der Kurs nicht mehr so selektiv. Riesentorlauf mit Speed eben, ein Heimspiel für Josef: „Ich kann dir schon sagen, wann du umsetzen musst, oder wie du mit der Schulter an die Stange gehst“, nickt er. Extra für das Hochfügener Seilrennen hatte er mit Christina und Peter einen Trainingstag vor einer Woche angesetzt. Zwei Stunden lang sind sie Technik gefahren und haben den Rennhang inspiziert, danach ließ er „frei fahren“, denn das Skigebiet Hochfügen gibt viel her: Buckelpisten, schöne weite Carvinghänge, die schwarze Abfahrt vom Pfaffenbühel und die schöne Carving-Spielweise zwischen 8er-Jet-Gondelbahn und Weidoffen-Lift.

Heute früh um 8 Uhr tummelten sich an die 250 Skifahrer bei der Talstation der 8er Alm-Bahn, die Teams checken die Startnummern. Schnell hinauf: Josef sichert sich einen guten Platz nah am Start, er breitet die Rennausstattung aus, Wachspulver, Pinsel, Abziehspachtel, ein 8 mm Reepschnur als Verbindungsseil und die Hüftgurte. Ob seine Schützlinge den Parcours auch flott bewältigen? Eine peinliche Pleite will Josef nicht einfahren. Nervös herrscht er 2 Minuten vor dem Startpieps Peter an: „Schnall dir den Helm gscheit fest.“

Josef Schöpf Skitrainer
Josef Schöpf's Seilschaft

Im Minutentakt schießt die elektronische Zeitnehmung die Teams hinaus. Per Funk kommen Anweisungen aus dem Tal. Rettungskräfte und Streckenwarte sichern entlang der Strecke. Im Zielgelände steht ein Rot-Kreuz-Team parat. Das Seilrennen bringt ein volles Bergbahnwochenende und es trägt Bilder des Skigebiets in die Welt hinaus. Die Musik heizt ein, Fans machen Stimmung.

An Publikum verschwendet Josef keinen Gedanken während der Fahrt, stur schaut er auf Frontmann Peter. Der reißt vor einer Kuppe die Arme hoch. „Was tut er denn?“ Sofort Tempo raus. Christina reagiert blitzschnell, hält Abstand, dann sind sie wieder gut auf Linie. Die drei bringen eine Bombenzeit. „Ehrensache“, poltert Josef jetzt, „aber um die Sekunden geht’s hier nicht. Was zählt ist die Gaudi.“ Karabiner in den Rucksack, Seil aufschießen und raus aus dem Zieleinlauf. Das nächste Team ist da. „Und, Leutln, pack ma das nächstes Jahr wieder?“ will der Seilrennen-Freak wissen. Beim Schnitzel wird erstmal mit Zillertal-Bier angestoßen.

Tipps vom Profi für den Start als flotter 3er:

  • Voraussetzung: einen Riesentorlauf gut bewältigen können
  • Optimal: die 3 Skiläufer haben das gleiche technische Niveau
  • Ideal: Teammitglieder sind eingespielt und mehrmals gemeinsam auf der Piste
  • Muss: Freude am Skilauf, die Gaudi steht im Vordergrund
  • Puls: Genießt das Skigebiet vorher, es zahlt sich aus
  • Easy: Feiern nach dem Rennen, lasst euch vom Zillertaler Livestyle anstecken


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